Was habe ich mit meiner Heldin gemeinsam?
Aktualisiert: 19. Juli

Freitagnachmittag, 15 Uhr.
Gleich würde ich einen Pediküre-Termin haben.
Warum ich das hier erzähle?
Ganz einfach, weil sich diese Geschichte vor ein paar Tagen tatsächlich so zugetragen hat. Und weil sie es in mein neues Buch "Das Zauberbuch" schaffen wird.
Ich tippe den Türcode der Gemeinschaftspraxis ein, gehe in den ersten Stock und nehme wie immer im Wartezimmer Platz.
Dort liegt ein Kartenset. Ich ziehe eine Karte; darauf steht:
„Auch Dinge, die dir zufliegen, musst du erst einmal fangen.“
Ich lächle, stecke die Karte wieder zurück und öffne die Balkontüre. Ich bestaune den Garten und die schönen Jugendstilgebäude. Vom ersten Stock aus hat man einen wunderschönen Überblick.
Meine Gedanken kreisen ohnehin um mein neues Buch „Das Zauberbuch – Wie aus Leni Helena wurde“.
15:10 Uhr.
Ich sehe auf die Uhr und wundere mich. Meine Pediküre Anneliese ist so verlässlich. Warum kommt sie nicht?
Ich klopfe an ihre Tür.
Keine Antwort.
Ich öffne die Tür einen Spalt.
Niemand da.
Ich rufe Anneliese an.
Keine Antwort.
Also gehe ich zur Eingangstür und denke mir: Dann gibt es heute eben keine Pediküre.
Ich ziehe an der Tür.
Nichts.
Ich rüttele.
Und plötzlich wird mir klar:
Ich bin eingesperrt.
Was dann folgt, ist Chaos – begleitet von Herzklopfen, Raumangst und einem Gedankenkarussell.
Ich laufe zum Balkon und überlege, wie ich mich im Notfall abseilen könnte.
Dann laufe ich zu den Fenstern auf der Straßenseite und verschaffe mir einen Überblick. Je mehr Menschen ich sehe, desto ruhiger werde ich.
Und plötzlich kommuniziere ich aus dem ersten Stock mit einer ganzen Straße.
Mit einem Rezeptionisten, mehreren Passanten, die unten stehen und gemeinsam mit mir diskutieren.
Und schließlich mit einem Physiotherapeuten, dessen Visitenkarte ich in der Praxis gefunden habe.
Als ich ihn endlich am Telefon habe, sagt er:
„Ok, ich helfe Ihnen. Ich bin leider nicht mehr im Haus, aber soweit ich weiß, ist die Reinigungsdame im Haus.“
Ich antworte mittlerweile mit einem Lachen:
„Das ist so eine verrückte Situation. Ich bin Autorin und auch meine Heldin ist eingesperrt.“
Er lacht und sagt: „Na dann haben Sie jetzt eine Geschichte zu erzählen.“
Wie recht er doch hat.
Kurze Zeit später wurde ich tatsächlich von einer Reinigungsdame aus meiner misslichen Lage befreit.
Ich war knapp davor, ihr um den Hals zu fallen.
Und nur wenige Minuten später schnaufte Anneliese die Treppe herauf und sagte:
„Oh mein Gott. Ich habe auf dich vergessen. Wie konnte das nur passieren?“
Manche Menschen ärgern sich über solche Situationen.
Und ich denke mir sofort: Was für ein Abenteuer.
– Ich wollte meine neue Roman-Heldin ohnehin in eine Situation bringen, aus der sie selbst nicht herauskommt.
Meine Erkenntnis aus dem Eingesperrt sein? An diesem Tag waren zwar die Türen verschlossen, aber das Leben war offen.
Möchtest du mehr über meine Art zu schreiben erfahren?

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