Was haben wir verlernt? Über Arbeit, Kreativität und Freiheit
Aktualisiert: 4. Sept.
Ein paar freie Tage mit der Familie. Das Zusammensein mit Kindern erfüllt mich. Gut, ein paar erholte Nervenstränge braucht man schon. Aber es ist einfach wunderschön, ihr kreatives Schaffen zu beobachten. Im einen Moment wird gemalt, dann wird Karten gespielt, mal werden ungewöhnliche Fragen gestellt. Es wird gefeixt, mal wird ein Bein gestellt, unverhofft kommt die Revanche.
Manchmal gibt es schlechte Laune und ganz oft gibt es Lachen. Räder schlagen, Handstand üben, irgendetwas ausprobieren. Und wenn etwas nicht funktioniert, dann wird es eben noch einmal versucht ...
Dabei gibt es keine große Überlegung, ob das jetzt produktiv ist oder ob sich das gerade auszahlt. Sie tun es einfach. Weil sie Lust darauf haben. Weil sie neugierig sind. Weil ihnen gerade danach ist.
Und es gibt mir zu denken, wie sehr wir Menschen durch unsere Arbeitsweise von dieser Natürlichkeit weggekommen sind. Wir lernen irgendwann, dass Zeit produktiv sein muss, dass Arbeit einen Zweck haben muss, dass wir leisten, funktionieren und möglichst effizient sein müssen. Natürlich brauchen wir Arbeit. Wir brauchen Strukturen. Wir müssen unseren Lebensunterhalt verdienen.
Arbeit soll, darf und muss Spaß machen. Und zwar immer! Ich glaube, jeder und jede von uns sehnt sich tief im Inneren nach dieser Art von Leben. Nach diesem Gefühl, etwas zu gestalten, etwas auszuprobieren, etwas entstehen zu lassen.
Ich kenne das von mir selbst. Es gab eine Zeit, da hatte ich einen Horror davor, meinen Computer einzuschalten. Ich war in einem Dauermigräne-Zustand und wusste schon beim Aufklappen: Mein Körper zeigt mir die Grenzen auf.
Und heute? Wie sehr hat sich alles verändert. Ich kann stundenlang für einen Kunden arbeiten, an einer Geschichte schreiben, eine Website entwickeln, Gedanken verfolgen, neue Projekte aufbauen. Und plötzlich ist ein Tag vorbei. Nicht, weil ich mich dazu gezwungen habe, sondern weil ich etwas erschaffe.
– Und dieses Gefühl sehe ich im kindlichen Tun.
Vielleicht sollten wir Erwachsenen stärker in uns gehen, uns Fragen stellen, warum wir das tun, was wir tun, warum wir die Dinge mögen und warum wir sie nicht mögen.
Ich möchte gestalten, Geschichten erzählen, Menschen zuhören, Ideen entwickeln und Menschen dabei begleiten, das Gleiche zu tun. Nämlich bei den Aufgaben, die Freude machen, die uns wachsen lassen und uns an die Person erinnern, die wir einfach gerne sein möchten. Denn genau in diesen Momenten schenken wir uns Freiheit.



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